Kranzbergs Beitrag zur Energiewende

Wie ist der aktuelle Stand der Umsetzung des Energiewendebeschluss des Landkreis Freising aus dem Jahr 2007? Was muss jetzt konkret geschehen, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, bis 2035 Energie zu 100 Prozent aus Erneuerbaren zu erzeugen? Auch unser Bürgermeister Hermann Hammerl machte sich Gedanken zum Thema, wie dem Freisinger Tagblatt vom 28. Juli zu entnehmen ist. Lege man bei der Windkraft die 5H-Regelung zugrunde, komme eigentlich nur der Staatsforst im Nordosten der Gemeinde in Betracht. Wird das reichen?

Energie rund um die Uhr

Strom aus Windkraft und Photovoltaik ist die zukünftige Schlüsselenergie. Der ideale Strom-Mix zur möglichst konstanten Energieerzeugung über Tag/Nacht und das gesamte Jahr: 55 % Windenergie, 45 % Photovoltaik. Landkreis und die Energieversorger schätzen, dass rund 800 Hektar Photovoltaikflächen benötigt werden. Das entspricht etwa 1% der Fläche des Landkreises Freising. Rein rechnerisch müsste jede der 24 Gemeinden des Freisinger Landkreises 1 bis 2 Windkraftanlagen errichten. Doch wo sollen all die Windräder und Solarpaneele hin?

Es obliegt den Gemeinden, geeignete Flächen auszuweisen. Aber die sind rar. Kostbarer Ackerboden kommt gar nicht in Frage, und auch der Naturschutz sollte in Zeiten des Artensterbens beachtet werden. Präzisere Empfehlungen für die Ausweisung von Flächen für Freiflächen-Photovoltaik (FPV) werden von der Flächenpotenzialanalyse „PFiffiG“ unter Leitung Prof. Reinke von der Hochschule Weihenstephan Triesdorf erwartet. Die Ergebnisse liegen uns derzeit noch nicht vor, aber es zeichnet sich ab: Parkplätze, Brachflächen oder Lärmschutzwände sind geeignet. Auch Sonderkulturen wie Hopfen, Obst- oder Beerenplantagen könnten von aufgeständerten Anlagen besonders profitieren. Bedenkenswert auch, dass man auf nur 1 Hektar mit Freiflächen-Photovoltaik so viel Energie erzeugen kann, wie mit 50 Hektar Mais für Biogas.

Klar ist, wir müssen uns auf Veränderungen im Landschaftsbild einstellen. Die Bundesregierung hat mit dem sogenannten „Osterpaket“ die Nutzung erneuerbarer Energien (EE) als „überragendes öffentliches Interesse“* gewertet und sich die Beschleunigung des Ausbaus der EE und des Stromnetzes auf die Agenda geschrieben. Gestalten wir vor Ort proaktiv mit! Lassen wir die Gewinne aus der Stromerzeugung im Ort bei den Bürgern. Dies ginge mit genossenschaftlich errichteten Energieanlagen. Zudem: Weist die Gemeinde nicht zügig selbst Flächen zur Energieerzeugung aus, fällt aufgrund des sog. „Wind-an-Land-Gesetzes“** die in Bayern aktuell gültige 5H-Regel nächstes Jahr weg. Natürlich werden nicht alle unsere Gemeinden geeignete Fläche aufweisen können. Aber Kranzberg hat durchaus Windpotential, siehe Energieatlas Bayern***. Wo wollen wir unsere 2 hinstellen?

*https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/novellierung-des-eeg-gesetzes-2023972#:~:text=Ihre%20Nutzung%20wird%20im%20EEG,damit%20unabh%C3%A4ngiger%20von%20fossilen%20Energieimporten.

**https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/Webs/BMWSB/DE/ExterneLinks/wind-an-land-gesetz.html

*** https://www.energieatlas.bayern.de/thema_wind.html

Alle hier angegebenen Zahlen zu Energiemix, Anzahl Windkraftanlagen, Flächen(bedarf) entnommen aus:

Bürger Energie Genossenschaft Freising: „Strom aus Erneuerbaren Energien 2022“, http://beg-fs.de/aktuelles/

BR vom 03.02.2022: Photovoltaik und Naturschutz: Konflikt oder Chance?
https://www.br.de/nachrichten/bayern/klimawandel-photovoltaik-und-naturschutz-konflikt-oder-chance,SwHz4GR