Inspiration in schönstem Bayerisch

Am 3. Februar war unser Landtagsabgeordneter Johannes „Jojo“ Becher beim grünen Stammtisch im Metzgerwirt zu Gast. Er ließ uns teilhaben an seinen Erfahrungen mit Land und Leuten und den vielen guten Ideen, die er als langjähriger Stadtrat und auf seinen Wanderungen durch Bayern gesammelt hat. Bericht von Jenny Radeck.

Die Gäste hörten konzentriert zu: Johannes Becher vermag die Zuhörer in Bann zu ziehen.

Ein Thema zu finden, fiel nicht schwer: Becher berichtete von seinem Versuch, mittels ÖPNV von Moosburg zum abendlichen Stammtisch nach Kranzberg zu gelangen. Spoiler: Er kam mit einem Car-Sharing-Fahrzeug, weil die Anreise mit Öffis keine echte Option darstellte. Das Thema ÖPNV war der erste Themenschwerpunkt des Abends: „Minister und Landräte kommen alle mit Fahrer. Es ist was anderes, wenn da einer in der Zeitung von liest, als wenn du’s selber erlebst.“

Ausführlich stellte er Vor- und Nachteile des „Moosburger Flexbus“ und des „Dingo“, eines Überlandbusses im Landkreis Dingolfing vor. Fazit: Das sind gute Ergänzungen zum ÖPNV.

Becher, der selber kein Auto besitzt, pendelt täglich von Moosburg zum Landtag nach München. Wie viele Pendler kennt er die Mängel der Bahn, aber als Betroffener und Abgeordneter hat er sich tief in das komplizierte Geflecht der Deutschen Bahn und ihrer zahlreichen Vertragspartner wie DB-Infrago, Bayerische Eisenbahngesellschaft hineingefuchst. Beim Zuhören wurde klar: Die Vielzahl der Unternehmen, die Personen auf der Schiene befördern, und die meist schlechte Kommunikation untereinander und mit den Kunden ist Ursache für den Frust mit der Bahn. Konkrete Probleme trägt er regelmäßig beim „DB-Dialog“ mit den Landtagsabgeordneten vor, in der Hoffnung, wenigstens dafür Verbesserungen zu erzielen.

Regionalität fördern

Als Besserwisser mochte er nicht verstanden werden: „Was tat I wissen, was Kranzberg besser machen kann?“ Zumal Kranzberg im Vergleich zu anderen Kommunen noch eine Insel der Glückseligen sei, mit Dorfladen, Hausarztpraxis, Bäckerei und Schule im Ort. Entscheidend sei zudem das Miteinander, und dass es Kundschaft im Ort gibt. „Die Probleme des Dorfs löst nicht der Investor von außen.“

Generell tritt Becher dafür ein, die Vergabekriterien für öffentliche Aufträge zu verbessern, damit wieder mehr Aufträge an Firmen aus der Region vergeben werden können. Dabei muss man schon schauen, dass es fair zugeht und Spezlwirtschaft keine Chance hat. Aber regionale Kreisläufe bieten letztendlich allen mehr Vor- als Nachteile.

Digitalisierung

Eine große Chance liege in der Digitalisierung. Schweden und Dänemark machten es schon vor. Dort gibt es für jeden Bürger ein staatliches digitales Postfach, wo alle Unterlagen von der Geburtsurkunde über Melde- bis zum Steuerbescheid abrufbar – einmal anmelden, alles in einem Account. Damit Bürger und Staat auf einer digitalen Plattform kommunizieren können, braucht es natürlich ein sicheres Zugangssystem. In Schweden überlässt der Staat diese Aufgabe der Authentifizierung für den sicheren Login den Banken, weil diese schon jahrelange Erfahrung mit ihren Online-Banking-Portalen haben. In Deutschland dagegen werden die zaghaften Digitalisierungsversuche schon durch verschiedene Authentifizierungsverfahren kompliziert. Frage in die Runde: „Wer hat die Bayern ID?“ Gelächter. „Wenn’s die mal brauchst, hast deine Pin vergessen.“

Neue Fehlerkultur

Warum machen wir es nicht wie die Dänen oder Schweden? Datenschutz hat seine Berechtigung, aber mit Augenmaß. „Wir haben zu viel Angst vor Fehlern. Angst vor Haftung. Wir brauchen eine Kulturveränderung, sonst werden wir nicht digital.“ Es werde immer Leute geben, die betrügen wollten. Aber anstatt alle Bürger für Betrüger in Haftung zu nehmen, sollte man konsequent stichprobenartig kontrollieren.

Räume und Gebäude

Ein weiterer wichtiger Aspekt für eine zukunftsfähige Kommune seien die Räume, konkret: Gebäude. Becher hat in Moosburg ein baufälliges historisches Gebäude mitten im Ort gekauft und saniert, kurzum, einen langjährigen Schandfleck beseitigt und mit neuem Leben gefüllt. Das hat er nicht aus eigener Kraft gemacht, sondern mithilfe vieler Fördertöpfe – die man allerdings erstmal finden muss. Und die richtigen Ansprechpartner in den Behörden. Fünf Leitzordner mit Besprechungen und Plänen hatten sich angesammelt, bevor die Sanierung starten konnte. Dieses Wissen aus der Praxis möchte er gern teilen, denn auch Kranzberg hat ein historisch wertvolles Gebäude – den Metzgerwirt, der es verdient, wieder zum Leben erweckt zu werden.

„Wenn die Eigentümer nicht mitspielen, ist es schwierig. Aber Dranbleiben!“ Mit einem attraktiven Konzept und einer Finanzierung aus vielen Fördertöpfen lohne sich ein neuer Versuch. Und letztendlich habe die Gemeinde einen längeren Atem als der Eigentümer.

Vom Vorteil, sich Ziele zu setzen

Um die Wertschöpfung im Ort zu halten, um Unternehmen anzusiedeln und die Lebensqualität zu erhalten sei ein Gemeindeentwicklungsplan, der die nächsten 15 bis 20 Jahre im Blick hat, wichtig. Idealerweise werde ein solcher Plan mit Bürgerbeteiligung erstellt. Sich Ziele zu setzen, motiviere und mobilisiere, das hat Becher an vielen Beispielen in seiner 18-jährigen Tätigkeit als Stadtrat bei vielen erfolgreich realisierten Projekten in Bürgerhand selbst erlebt: „Wenn die Richtigen zusammenkommen und denen einer Raum gibt, dann geht was!“